Impressionen

Bilder der JODLERARENA vom 8. November 2014

 
 
 

Das Volksbrauchtum gewinnt an Stellenwert

 

Die Eidg. Jodlerdirigenten- und Komponisten-Vereinigung (EJDKV) organisierte eine Jodler-Arena zum Thema "Jodel und Politik".

Eigentlich wäre bei diesem prächtigen spätherbstlichem Samstagnachmittag alles bereit gewesen für eine interessante, grosse Jodler-Arena mit einem hochkarätig bestückten Podium im Restaurant Schlossgut in Münsingen. Leider wurde daraus mangels Publikum ein runder Tisch, bei dem es allerdings nicht weniger spannend und angeregt zuging.

Mit dem Vortrag "s'Wundertruckli" des Jodler-Terzettes Weingart wurde der Anlass musikalisch wohlklingend eröffnet. Der Präsident der EJDKV, Josef Röösli, konnte in seiner Begrüssung seine Enttäuschung über den schlechten Besuch nicht verbergen, freute sich dennoch über jene, die da waren und hiess alle herzlich willkommen.

 

Drei Nationalräte auf dem Podium

Moderator Jörg Stoller, bekannt von der SRF Musikwelle, stellte die Podiumsteilnehmer vor. Zwei Parlamentarier, Max Binder und Albert Vitali und eine Parlamentarierin, Ursula Haller, - alle in schmucker Tracht notabene - hatten sich die Zeit genommen, um über Jodel und Politik zu diskutieren. Mit Freude konnte ebenso die "höchste Jodlerin der Schweiz", Zentralpräsidentin Karin Niederberger begrüsst werden, die an diesem Wochenende auf "Tour de Suisse" für ihre Verbandsmitglieder gleich an mehreren Anlässen präsent war. Am Podium teil nahmen ebenso der unabhängige, freischaffende Journalist Hans Rechsteiner und EJDKV- Präsident Josef Röösli.

 

Viele Gemeinsamkeiten

Jodeln und Politik - wie beurteilten die Nationalräte auf dem Podium diese Thematik? "Die Jodler singen wunderschön hoch - die Politiker singen nur hoch", scherzte Ursula Haller, die ehemalige OK-Präsidentin des Eidg. Jodlerfestes 1996 in Thun. Doch ernsthaft meinte sie, Jodeln und Politik hätten viel mehr gemeinsam, als man denke. Max Binder, der Präsident der parlamentarischen Gruppe für Volkskultur und Volksmusik, wies auf den Ursprung des Jodelns hin, das Bodenständigkeit und Heimatgefühl vermittle, Werte, die auch in der Politik wichtig seien. Albert Vitali, Präsident der IG Volkskultur Schweiz zeigte sich erfreut, dass die Volkskultur, Jodeln und die Volksmusik an Ansehen gewonnen und auch im Bundeshaus einen grossen Stellenwert haben. "Jodeln führt uns zusammen und tut in dieser hektischen Zeit gut", brachte es Karin Niederberger auf den Punkt.

 

Brauchtum verpolitisiert?

Hans Rechsteiner gab zu bedenken, dass Jodeln für ihn im Zuge der "Swissness" einen faden Nachgeschmack erhalten habe. Es störe ihn, dass die Volksmusik in die rechte Ecke abgeschoben werde, so der Journalist. Es seien gerade die Medien, die unsere Volksmusik gerne in die rechte Ecke drängen, konterte Karin Niederberger. So habe sie es jedenfalls in den letzten sechs Jahren ihrer Amtstätigkeit erlebt. "Alle Parteien lassen sich für die Volksmusik begeistern", zeigte sich Nationalrat Vitali überzeugt. Ursula Haller gab zu bedenken, dass man wohl aufpassen müsse, dass das Brauchtum nicht verpolitisiert werde.

 

Zur Tracht stehen

"Mit einer Tracht ist man an jedem Anlass gut angezogen", sagte Max Binder und wies auf den Tag der Trachten im Bundeshaus hin, bei dem Politiker aus allen Parteien in der Tracht erschienen. Er bemängelte, dass man bei Staatsempfängen in der Schweiz keine Trachten antreffe, während dies in anderen Ländern bei solchen Anlässen zelebriert werde. "Wir getrauen uns nicht zu zeigen, woher wir kommen", gab Albert Vitali zu bedenken. Die Diskussion führte weiter über den Nachwuchs und die damit verbundene heutige individuelle Lebensweise, bei der man sich nicht mehr an einen Verein binden will. Weiter kamen die Texte einer von den Jodlern besungenen heilen Welt zur Sprache. "Das Jodellied Schwyzerbode von Ernst Sommer passt auch heute noch in unsere Schweiz, wie viele andere alte Lieder auch", sagte Karin Niederberger. Schlussendlich wolle man mit den Liedern keine Probleme besingen, sondern sich beim Gesang erholen und sich darüber erfreuen.

 

Einsatz für Volkskultur

Man kämpfe im Parlament weiterhin für die Volkskultur und die Volksmusik, waren sich die Politiker einig. Sie möchten sich dafür einsetzen, dass das Schweizer Kulturgut künftig auch den Staatsgästen als Wertschätzung präsentiert werde. Dass das Jodeln auf der Liste des immateriellen Kulturerbes sei, wurde als grosse Ehre bezeichnet. In seinem Schlusswort wies der Präsident der EJDKV darauf hin, dass die Freude am Jodelgesang und an der Volksmusik in der Familie und in der Schule geweckt werden müsse. Als gutes Beispiel erwähnte er die Familie Weingart, die diesen Anlass mit wunderbar harmonischem Gesang umrahmte und auch für einen passenden Abschluss der gehaltvollen Diskussion sorgte.

 

Annalies Studer

 

Bilder:

Jodlerterzett Weingart (Bruno Weingart, Andrea Gäumann-Weingart und Marianne Weingart)

Karin Niederberger zwischen den beiden Nationalräten Albert Vitali und Max Binder.

Nationalrätin Ursula Haller in schmucker Bernertracht und Moderator Jörg Stoller.

Das Podium, Hans Rechsteiner, Ursula Haller, Jörg Stoller, Albert Vitali, Karin Niederberger, Max Binder und Josef Röösli.

 
Note
EDJKV