
Leutert
Kurt
(1923)
Mit
einem
älteren Bruder ist er auf dem elterlichen Bauernhof in Ottenbach ZH
aufgewachsen. Das Geschlecht der Leutert geht in Ottenbach bis auf das Jahr 1620
zurück und alle Vorfahren sind Bauern gewesen. So entschloss sich auch Kurt ein
solcher zu werden. Nach der Konfirmation absolvierte er sein Welschlandjahr auf
einem Bauernhof in der Nähe von Bière VD. Manchmal fühlte er sich etwas
einsam und so hat er begonnen, hie un da ein Gedicht zu schreiben, nur so für
sich. Später besuchte er während zwei Wintern die Landw. Winterschule
Strickhof in Zürich. Da wurden Freundschaften geschlossen, die bis heute dauern.
Sonst aber arbeitete er voll auf dem elterlichen Betrieb, den er einige Zeit
nach der Hochzeit (1957) mit Hedi Kohler übernahm. Diese schenkte ihm drei gesunde
Kinder. In seiner kargen Freizeit schrieb er immer wieder Gedichte,
wovon einige auch vertont wurden. Das Bezirksblatt "Anzeiger"
veröffentlichte auf der Titelseite in jeder Ausgabe ein Gedicht und Kurt war
erfreut, als der Redaktor auch von ihm hie und da einen Artikel annahm.
Mit Jodelliedern hatte er bisher wenig zu tun. Als dann aber der Schweiz.
Braunviehzuchtverband 1972 in Zug sein 75-jähriges Jubiläum feierte,
ermunterte ihn ein ehemaliger Strickhof-Kollege, ein "Braunviehlied" zu
schreiben. Dann hiess es noch, einen Komponisten zu finden. Nach einigem Hin und
Her wurde Jean Clémençon gefunden. Seit damals haben Kurt und Jean viel
zusammen gearbeitet und Jean Clémençon hat eine grosse Anzahl von Gedichten
von Kurt Leutert vertont, teillweise als Männerchor-, teilweise als Jodellieder.
Die beiden wurden gute Freunde, bis dann Jean 1995 durch den Tod abberufen wurde.
Nun ist Kurt älter und schreibt nicht mehr viel. Aber gerne denkt er zurück an all die Lieder, die noch weiter existieren.
Folgende Gedichtbändchen sind erschienen:
- Heimatklänge (1955)
- Abendläuten (1961)
- Wunder am Wege (1986)
*
Aus seinem Gedichtband "Wunder am Wege":
Frühlingsahnen
Es riecht von feuchter, warmer Erde
und Weidenkätzchen stehn im Hag.
Nun glaub'ich, dass es Frühling werde
und schöner noch mit jedem Tag.
Der Lenz will seine Fahnen schwenken.
Erwache auch, mein altes Herz!
Was magst du ihm zur Ankunft schenken,
zu blüh'n, zu wachsen sonnenwärts?
Ich hab'nicht Grosses hinzugeben,
ein kleines Lied und kurzen Reim,
ein Lichtstrahl aus dem Erdenleben,
vom Glück des Landmanns, von daheim.
Und wenn dies Blümlein, dieses neue,
sich fortbegibt auf leichten Flug,
dass eine Seele sich dran freue,
dann ist des Blühens schon genug!
*
(ohne Titel)
Spät, wenn unsre Tage schwinden
sind wir oft der Jugend nah.
Vieles lässt sich wieder finden
was der Alltag übersah.
Sang die alte, liebe Linde
nicht damals dem jungen Blut
ihre Weisen in die Winde,
wie sie es noch heute tut?
Hab ich nicht in frühen Jahren
stumm die junge Saat bestaunt,
nicht das leise Wort erfahren,
das der Acker mir geraunt?
Kämpfend lebt ich, ohne Klage,
doch die Jugendzeit entschwand,
bis im Glanz der alten Tage
ich ihr Leuchten wieder fand.
*
(Kurt
Leutert / TA / 16.6.06)