
Gassman Alfred
Leonz
(31.12.1876 – 8.8.1962)
Lebenslauf
In
Buchs LU verlebt A.L.Gassman nach seinen eigenen Worten eine sangesfrohe
Jugendzeit. Nach der Primar- und Sekundarschule besucht der talentierte
Bauernbub das Lehrerseminar Hitzkirch, wo er bei Seminarmusiklehrer Josef
Schildknecht, dem Verfasser der berühmten Orgelschule, in Harmonielehre,
Klavier, Orgel und Violine Unterricht erhält. Schon im Seminar entstehen seine
ersten Volksliedkompositionen, die später in den beiden Liedsammlungen „s’Alphorn“
(1913) und „Juhui“ (1914) ihren Niederschlag finden.
Als Lehrer der Gesamtschule St. Urban LU übernimmt der junge, talentierte
Musiker 1896 den Organistendienst an der Klosterkirche St. Urban und zugleich
die Musikgesellschaft Roggwil BE, und 1899 gründet er den Musikverein St. Urban.
Hier vermählt er sich am 23. April 1900 mit Katharina Brun, die ihm einen Sohn
(der kurz nach der Geburt stirbt) und vier sangesfrohe Töchter schenkt und
zeitlebens eine treue, verständige Lebensgefährtin bleibt.
1903 als Lehrer und Organist nach Weggis gewählt, erhält er bald darauf auf
seinen Wunsch einen mehrmonatigen Urlaub zum Besuch des Konservatoriums Genf, wo
er Schüler von Prof.Otto Barblan (Orgel und Kompositionslehre), Emile Jacques
Dalcroze (Harmonie, rhythmische Gymnastik) und Henri Kling (Instrumentation)
ist. Bei Fachmusikern der Kurkapelle bildet er sich weiter in Violin- und
Blasinstrumentenspiel und besucht zahlreiche Kurse in Schulgesang und Direktion
im In- und Ausland, unter anderem auch bei Breitenbach, Luzern und Isler, Zürich
(Orgelunterricht).
1909 wird er als Musikdirektor nach Sarnen OW berufen, wo er Schulgesang an den
Dorfschulen und Instrumentalunterricht am Kollegium erteilt und als Organist die
musikalischen Vereine betreut. 1910 gründet er den Jodlerklub Sarnen. Dank
seiner musikalischen Talente und seines unermüdlichen Eifers spielt er nun
zahlreiche Instrumente, so neben Klavier, Orgel, Handharmonika, Gitarre und
Violine fast sämtliche Holz- und Blechblasinstrumente.
Hier und ab 1921 im Wirkungsort Zurzach AG lenkt der unermüdliche Schaffer durch
seine Tätigkeit die Vertreter der Wissenschaft auf sich, so z.B.
Prof.Dr.Hoffmann-Krayer, Basel, Dr.John Meier, Rektor der Universität Basel,
Dr.Theodor Vetter, Zürich und Prof.Dr.Josef Pommer, Wien. Durch diese
wertvollen Kontakte und die Aufmunterung von Seiten der Wissenschaftler wird die
Volksliedforschung zu seinem bedeutendsten Spezialgebiet. In dieser Zeit ist
auch sein vielseitiges kompositorisches und musikpädagogisches Wirken besonders
fruchtbar. Der Organist an der Stiftskirche St. Verena in Zurzach und Gesangs-
und Instrumental-Lehrer der Bezirksschulen Zurzach, Leuggern und Kaiserstuhl
gründet in Zurzach die Knabenmusik und ein Schülerorchester.
1943 tritt er in Vitznau LU in den Ruhestand. Aber seine Forschungs- und
Kompositionstätigkeit steht nicht still. Bis zu seinem Tode ist er unermüdlich
tätig. Es entstehen eine Reihe wertvoller Kompositionen für Männer-, Frauen- und
gemischte Chöre, die umfangreiche Volksliedersammlung „Was unsere Väter sangen“,
interessante Abhandlungen, Vorträge, Volksliedbesprechungen am Radio, u.a.m. Die
teils im Selbstverlag erschienen Werke übersteigen die Opuszahl 160.
Am 8. August 1962 schliesst der Unermüdliche seine Augen. In seinen Werken weilt
er immerfort unter uns.
Sein Lebenswerk
Wohl
kaum ein Musikschaffender hat sich so vielseitig verdient gemacht wie
A.L.Gassmann. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war er auf zahlreichen
Gebieten der Musik als Musikpädagoge, Förderer, Forscher und Sammler, als
Komponist und Schriftsteller unermüdlich und fachkundig tätig, insbesondere in
den verschiedenen Sparten der Volksmusik, für die er eine tiefe Liebe, ein
echtes Verständnis und ein ausgezeichnetes Einfühlungsvermögen in deren Seele
bewies. Dank seiner umfassenden Ausbildung und der vielseitigen Praxis auf
seinen verschiedenen Lebensstationen ist ein Lebenswerk entstanden, das
vergeblich seinesgleichen sucht.
Es ist unmöglich, all sein Schaffen und Wirken um Rahmen dieser kurzen
Lebensbeschreibung einzufangen. Die Berichterstattung bleibt notgedrungen auf
das Wesentlichste beschränkt. Zudem ist es äusserst schwierig, die
ineinanderverschlungenen Teil-Tätigkeiten der Musikpädagogik, der
wissenschaftlichen und volkskundlichen Forschung und Sammlung und der
kompositorischen Arbeit in die einzelnen Teilgebiete aufzugliedern. Und doch
muss dies geschehen, will man in Gassmanns umfangreiches Lebenswerk Ordnung und
Übersicht bringen. Deshalb folgt nun neben der Gesamtüberschau eine kurze
Zusammenfassung der hauptsächlichen Teilgebiete seines Wirkens.
Der
Musikpädagoge
Bezeichnend für A.L.Gassmanns Schaffen ist seine musikpädagogische Grundhaltung.
Diese entspringt einerseits aus seiner pädagogischen Berufsausbildung,
anderseits ist sie ein Grundzug seiner Persönlichkeit. Prof. Dr.A.E.Cherbuliez
von der Universität Zürich hat denn auch in einer Würdigung das Lebenswerk
Gassmanns in das Moto gekleidet: „Dienst am Volke als Jugenderzieher und
Musiklehrer, Dienst am Volke als Förderer, Erforscher und Sammler heimatlicher
Volksmusik“.
Förderer der
Volks- und Schulmusik
A.L.Gassmann hat in St. Urban und Weggis als Lehrer und Organist und in Sarnen
und Zurzach als Musikdirektor, Gesangs- und Instrumentalmusiklehrer an den
Volks-, bzw. Bezirks- und Mittelschulen methodisch und musikpädagogisch
ausgezeichnet gewirkt und in zahllose junge Herzen den Samen gelegt für
begeistertes Singen und musizieren. Gassmanns Schüler erzählen heute noch voll
Bewunderung über seinen Unterricht und seine musikalische Ausstrahlung.
Die musikpädagogische Grundhaltung ist auch in seiner ersten Publikation „Das
Volkslied im Luzerner Wiggertal und Hinterland“, die 1906 nach zehnjähriger
Sammlertätigkeit erschien, ersichtlich. Er notiert die Lieder ein- bis
zweistimmig und erläutert Möglichkeiten des Vortrages und der akkordischen
Begleitung. Auch im Vorwort zum Liederbüchlein „s Alphorn“, 1913 für das
Volkssingen erschienen, und speziell im „Juhui“, 1914 als Ergänzungsbuch für die
Schule herausgegeben, tritt diese Absicht klar hervor. In diesen Werken geht es
ihm besonders darum, neben dem Kunstlied das Volkslied und insbesondere den
Jodel schlicht und naturwüchsig anzubieten, und zugleich gibt er Anleitungen für
die Chorbegleitung im Stegreif. Diese Liederbüchlein haben denn auch eine weite
Verbreitung gefunden und massgeblich mitgeholfen, das Volkslied neu zu beleben.
Förderer des
Jodelgesanges
Auf
dem Gebiete der Jodelmusik hat A.L.Gassmann Unschätzbares geleistet. Er war
unbestreitbar Mitbegründer der Renaissance des schweiz. Volks- und
Jodelgesanges. Mit seinem „Juhui“ hat er dem Jodel den Eingang in die Schule
ermöglicht (Max Lienert hat im „Unser Singbuch“ diesen Weg fortgesetzt).
An unzähligen Kursen hat Gassmann die Tonbildung, Vortragsweise und Tonkultur
unserer Jodlerinnen, Jodler und Jodlerchöre entwickelt und verbessert. 1943
verfasste er zusammen mit Robert Fellmann die Jodlerschulungsgrundlage, die an
den Kursen des EJV und der Regionalverbände mit einem Anhang von Max Lienert
heute noch im Gebrauch ist.
A.L.Gassmann war jahrelang der persönliche musikalische Berater von Robert
Fellmann. Viele Fellmann-Kompositionen hat er dank seiner umfassenden
Kompositionskenntnisse beeinflusst, gestutzt und geschliffen und somit die
musikalische Entwicklung seines Freundes uneigennützig gefördert und an dessen
meteorhaftem Aufstieg zum Meisterkomponisten massgeblich mitgewirkt.
1938 veröffentlichte Gassmann die erste Alphornschule, die dank ihrer einfachen
und verständlichen Darstellung zur Blüte des Alphornblasens in der Schweiz,
namentlich in der Zentralschweiz, führte.
Förderer der
Blasmusik
1.Spielmusik für Jungmusikanten:
Als qualifizierter Bläser verschiedener Blasinstrumente war es ihm ein
Herzensanliegen, die Spielfreudigkeit und Tonqualität der Bläser zu fördern. Mit
seiner Trompeterschule und mit den Vortragsheften (Am Waldrand, Der flotte
Trompeter, Der kleine Trompeter von Säckingen) sprach er alle Jungbläser an.
Viele Jahre lang, ja noch heute, gehören diese Hefte zum Repertoire jeder
Blasmusik.
2.Harmonie- und Blechmusik:
Neben den Marschmusik-Kompositionen und Charakterstücken schuf er mit der
„Tonbildung der Harmonie- und Blechmusiken“ eine Pädagogische Fundamentalarbeit
im Dienste der Blasmusik.
3.Ländlermusik:
Auch für die populäre Blasmusik fand er Zeit, 1919 erschien „D’Ländlermusik“,
eine Sammlung von 100 Ländlern, Polkas, Walzern, Schottisch, Mazurkas, u.a.m.,
gesetzt für Soloklarinette, Trompete, Handorgel und Kontrabass. Seine
lehrreichen Anweisungen für das zwei- bis fünfstimmige Stegreifspiel waren für
die Entwicklung der volkstümlichen Musik wegleitend und legten den Grund für die
heutige Perfektion der Ländlermusiken. In gleicher Weise wirkte auch die
Veröffentlichung der 44 Schwyzer Ländler und Bauerntänze „Bim Chronewirt“ in der
Triobesetzung: 2 Klarinetten und 1 Trompete.
Förderer der
Kirchenmusik
Gassmanns musikpädagogische Vielseitigkeit wäre unvollständig, wenn nicht auch
die Impulse erwähnt würden, die er im Sektor Kirchenmusik gegeben hat.
Der „Jungkirchenchor“, diese Vorschule des Kirchengesanges mit vielen
Eigenkompositionen fand in fast sämtlichen Kirchen Eingang und führte indirekt
zur Gründung der erfolgreich wirkenden Jugendkirchenchöre. Unter seinen
verschiedenen kirchenmusikalischen Kompositionen darf sicher „Der Alpsegen“ als
besonders originelles und ansprechendes Werk erwähnt werden.
Der
Volksmusikforscher und –sammler
Im
Sektor der Volksliedforschung und –sammlung bleibt A.L.Gassmann wohl für lange
unübertroffen, 1905 gehörte er mit John Meier, Hoffmann-Krayer und Karl Nef zu
den Initianten und Gründern des schweiz. Volksliedarchivs in Basel, wo heute
(1972) über 50'000 Melodien und Texte gesammelt und registriert sind und der
wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen.
Neben den schon erwähnten Sammlungen darf die 1908 erschienene Publikation „Naturjodel
des Josef Felder von Entlebuch“ nicht unerwähnt bleiben, wurden doch damit
erstmals Naturjodel aus dem Raume Innerschweiz aufgezeichnet und damit aus dem
19. Jahrhundert für die Zukunft gerettet.
Im gleichen Jahr erschien die bekannte wissenschaftliche Studie über das
Rigilied „Vo Luzärn uf Wäggis zue“. Diese Monographie der schweizerischen
Volksmusik zeigt uns die Geschichte des Rigiliedes von seiner ersten Fassung von
1832 bis in unsere Zeit. Sie vereinigt mehr als 40 musikalische und textliche
Lesarten des Rigiliedes mit interessanten Ausführungen über Fragen und regionale
Eigenheiten der melodischen und rhythmischen Variantenbildung.
Ein kleines Detail veranschaulicht ganz typisch Gassmanns Spürnase: Mit seinem
Freund Dr.Franz Niederberger, von dem er mehrere Gedichte vertont hat, spazierte
er nach Kerns. Da wurde er auf das Fenstertrommeln eines alten Mannes
aufmerksam. Es war Posthalter Michel. Sofort erkannte Gassmann, dass da Musik
drin steckte, und er fragte den Posthalter nach dem Motiv. Dieser erzählte ihm,
dass dies der alte Obwaldner Landsgemeindemarsch sei. Sofort notierte er Takt
und Melodie und schrieb die Harmonie. So wurde der bereits als verloren
gegoltene Landsgemeindemarsch gerettet, und heute noch erklingen jedes Jahr beim
Aufmarsch des Obwaldner Stimmvolkes auf dem Landenberg.
1936 überraschte A.L.Gassmann die Volkskundler und Volksliedfreunde des In- und
Auslandes mit dem Werk „Zur Tonpsychologie des Schweizer Volksliedes“, mit 63
erläuterten Notenbeispielen, 141 Seiten, ein Werk, das damals in der Fach- und
Tagespresse grosses Aufsehen erregte. Gassmann legt darin dar, dass zwischen
tonpsychologischen Urideen, die sich in einzelmusikalischen Motiven der
Volkslieder finden, und der Landschaft, insbesondere der Gebirgsnatur, ein
Zusammenhang besteht. Anlass dazu gab ihm der berühmte Geologe Albert Heim, der
in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts (19.) feststellte, dass es eine
Naturmusik der Wasserfälle gibt, die auf der Dur-Tonalität aufgebaut ist, und
zwar erklingen wie tiefe Orgeltöne das Subkontra-, Kontra- und grosse F, und
darüber, Grundton und Quinte in Oktaven verdoppelt, die Wasserharmonie C-Dur.
Eigentümlicherweise finden wir genau diese Zusammenstellung in der berühmten
Natursymphonie Beethovens, in der Pastoral-Symphonie, die aufgebaut ist auf dem
tiefen F, zu welchem sich der C-Dur-Akkord gesellt. Und nun werden gewisse
Jodel-Urtypen, die später auch vom Alphorn übernommen wurden, als Grundlage des
ganzen schweizerischen Volksliedes erkannt. Die Zeichnung der Melodie wird nun
in Verbindung gebracht mit der mehr oder weniger bewegten, mehr oder weniger
zackigen, mehr oder weniger weichen Horizontlinie des Gebirges. Es ist also so,
wie wenn Alpenwelt und Alpenlandschaft sich im schweizerischen Volkslied
spiegeln würden, und das erklärt nun, warum das Hochgebirgslied in viel
grösseren und schärferen Wellen auf und ab sich bewegt, als etwa das Ortslied
des Mittellandes, das in weichen und schmiegsamen, kleinen Wellen sich
entwickelt. Gassmanns Thesen, die absolut neuartig waren, finden auch bei der
Wissenschaft Anerkennung, so auch bei Prof. Cherbuliez, und es ist der Zukunft
vorbehalten, Gassmanns Erkenntnisse und Schlussfolgerungen wissenschaftlich zu
fundieren und weiterzuentwickeln.
Als Krönung seiner Forscher- und Sammlertätigkeit darf sicher das Werk „Was
unsere Väter sangen“, erschienen als Band 42 der Schriften der Schweiz.
Gesellschaft für Volkskunde 1961, bezeichnet werden. Das wohl in dieser Richtung
umfangreichste Werk enthält viele hundert Volkslieder, Jodel- und
Volksmusikmelodien vom Vierwaldstättersee, aus der Urschweiz und dem Entlebuch,
nach dem Volksmund in Wort und Weise aufgezeichnet von A.L.Gassmann. Auch hier
sind tonpsychologisch, melodisch und rhythmisch charakteristische Elemente neben
der reinen Sammeltätigkeit vereint, verbunden mit einer kleinen, interessanten
Studie über solche gemeinsame Merkmale. Die hier vereinigten Lieder und Weisen
erlauben einen tiefen Einblick in die Volksmusik der Mittelschweiz, in den
Ursprung, das Wachsen und Gedeihen des Volksliedes. Die Sammlung lässt auch die
Entwicklungsstufen des Liedes gut erkennen: Das kurze Jauchzer- und Rufmotiv,
den Gsätzli-Jodel und das Tanzlied, schliesslich die wohlproportionierte
Melodie, die von nicht geringem Kunstsinn zeugt.
Zu den Vorwürfen, die Gassmann hier und schon bei früheren Sammelwerken über
eingeschlichenes Tirolergut gemacht wurden, schreibt er selber in der
Einführung:
„Nicht alle hier vereinigten Lieder entsprechen den Anforderungen, die man an
das sogenannte echte, edle Volkslied stellt, dennoch glaubte der Sammler,
Unkräutlein und Giftpflanzen nicht zurückhalten zu dürfen, denn auch sie wachsen
im Garten des Volksliedes und dürfen nicht übersehen werden, wenn man die
Liederästhetik des Volkes und seinen Bedarf an Musik und Poesie erfassen will.
Hier gilt für mich das Wort Josef Pommers: ‚Alle echte Volksmusik ist gut’.“
Der Komponist
Wenn
wir das vielseitige Lebenswerk in der Gesamtübersicht betrachten, sind wir
überrascht von der reichen Kompositionstätigkeit. Dank Gassmanns gründlicher
Ausbildung in Harmonie, Kontrapunkt, Komposition und seiner vielseitigen
musikalischen Praxis ist er gleichzeitig im einfachen Volkslied wie im
anspruchsvollen Kunstlied gründlich bewandert. Seine Satzkunst ist
ausgezeichnet, vielseitig und abwechslungsreich, die melodischen Einfälle
originell und treffend. Dank dieser Eigenschaften bewegt er sich sowohl in der
Chor- wie in der Instrumentalmusik in gleicher Weise meisterhaft.
Neben den zahlreichen Volksliedsätzen und Kompositionen für Frauen- und
gemischten Chor verdienen seine Jodelchöre besondere Erwähnung. Einmal sind es
die treffenden Gedichte seines Freundes Zyböri, die ihn zum Komponieren
anreizten. Dann darf „Dr Uristier“, eine Vertonung eines der zahlreichen,
wertvollen Gedichte seiner Tochter Frau Hedwig Nigg-Gassmann, zu den
imposantesten Jodelliedern gezählt werden, eine Komposition, die an Chor und
Jodler höchste Ansprüche stellt und an Jodlerfesten und Konzerten zu den
eindrücklichsten Darbietungen zählt.
„s Schwyzerland“, eine weitere äusserst wirkungsvolle Komposition, die sowohl
Sänger wie Zuhörer voll in ihren Bann zu ziehen vermag, strahlt besonders in den
Akkordfolgen des Liedschlusses unerhörte faszinierende Stimmung aus.
Das „Obiglied“ darf in seiner einfachen Schlichtheit zu den schönsten lyrischen
Kompositionen unseres Jodelrepertoirs gezählt werden.
Während des zweiten Weltkrieges ertönte das schneidige Chorlied „E Tambour muess
es si“ ungezählte Male am Landessender Beromünster und trug auf seine Weise zur
geistigen Landesverteidigung bei.
Relativ noch wenig bekannt sind die Jodellieder: „O Alpehorn“, „Chilbitanz“, „Meisterlosig“
(Meiteli, säg mer gschwind), „Dr Schwyzerbuur“, „D’Luzärner Buurechilbi“. Auch
die übrigen, weitherum unbekannt gebliebenen Jodellieder verdienen es, dass sie
eine weite Verbreitung fänden, besonders die Lieder „O wär i doch e Buurema“, „O
Schwyz, wie bist du schön“, „Seeräuber, hooruus“, u.a.m. Verschiedene
Kompositionen sind nur im Manuskript vorhanden, andere sind schon vergriffen.
Der
Schriftsteller
Nur
ganz kurz soll auch noch auf das literarische Schaffen von A.L.Gassmann
hingewiesen werden. Neben den schon erwähnten Sammler- und Forscherwerken hat
Gassmann einige Geschichten und Erzählungen veröffentlicht, wie die „Bickel-Joggiaden“
(Lügenmärchen aus der Mittelschweiz), „Poetisch Alt-Zurzach“ (eine
Mundart-Rezitation über ein Konzert und verschiedene sonderbare Geschichten von
Alt-Zurzach), „Köbeli“ (eine autobiographische Skizze), sowie verschiedene
„volkskundliche Essays“, die zu seiner Zeit eine weite Verbreitung fanden.
Gassmann schrieb einen prägnanten, persönlichen Stil, gewandt, fliessend, voll
Schalk und Humor, mit träfen Bildern und Vergleichen. Unvergesslich bleiben
seine Wettkampfberichte, worin sich sein literarisches Talent, seine Musikalität
und sein umfassendes Wissen kundtat.
Auch seine Volksstücke „Roni, der Alpensohn“, „De jung Chalberreindler“, das
vaterländische Volksspiel „Mi liebi, schöni Schwyz“, die Volksoperette „De
Meitlisonndig“ und das Drama „Die Erdennacht“ zeugen von seinem poetischen und
dramatischen Können.
Dank und
Verpflichtung
A.L.Gassmann war unbestreitbar der grösste Volksliedforscher und –sammler der
Schweiz. Dank seiner intensiven Arbeit in Beruf und nebenberuflichen Tätigkeiten
sind uns Melodien und Texte erhalten geblieben, die ohne ihn längst in
Vergessenheit geraten wären.
Am deutlichsten trifft seine Bedeutung in den unzähligen Kondolenzschreiben an
die Hinterbliebenen zutage, in denen seine unschätzbaren Verdienste für Volk und
Heimat von ehemaligen Schülern, bekannten Fachleuten und vom Bundesrat gewürdigt
werden:
„Weit über die Landesgrenzen hinaus, in fremde Erdteile, ist sein Name bekannt
geworden. Er verdient den Dank der Behörden und des Volkes unseres Landes“.
„Wenn es ihm zeitweise an der verdienten Anerkennung fehlte, so hat ihn das
sicher zu vermehrter Arbeit angespornt. Heute trauert man weit über unsere
Landesgrenzen hinaus um den grossen Förderer des Volksgesanges“.
„Seine grosse Arbeit, seine Verbundenheit mit unserer Volksmusik, diesem
köstlichen Schweizergut, wird unvergesslich bleiben“.
Und ein ehemaliger Schüler schrieb aus New York:
„Er war der einzige meiner ehemaligen Lehrer, mit dem ich mich persönlich
verbunden fühlte. Wie konnte er doch in den Musikstunden die jungen Schüler
begeistern! Er war ein grossartiger Lehrer, voll von Begeisterung, Hingabe und
Phantasie. Nichts war ihm so eigen, als den Buben Freundschaft, Rat und Treue zu
erweisen. Ein wundervoller Mann“.
Alfred Leonz Gassmann hat uns wirklich ein grosses Erbe überlassen. In seinen
Werken und Liedern lebt er fort. Alle Freunde wahrer Volksmusik, insbesondere
die Trachten, Musikanten und Jodler sind ihm zu grossem Dank verpflichtet und
aufgerufen, sein Wirken und Schaffen weiterzuführen und seine Werke
hinüberzuretten durch eine Welt des Umbruchs in eine glückliche Zukunft.
Quelle: „Bärgfrüehlig 3/1972“, Autor Jost Marty, Stand 26.7.07, TA