
Clémençon Jean
21.6.1900 – 1.12.1995
Jean Clémençon wurde
in Feuerthalen ZH geboren. Seine Mutter, aus
Südfrankreich stammend, verlor er schon mit fünf Jahren. Jean war das
zweite von vier Kindern. Er kam als 14-jähriger nach Biel, wo er nach der
Schule die Uhrenmacherlehre absolvierte, somit der gleiche Beruf wie sein Vater
Leon. Er war in diesem Fach lang über die Pensionierung hinaus tätig.
„Mein Traumberuf war es nicht, viel lieber wäre ich Maler oder
Musiker geworden“, erzählte er später. 1932 begann für ihn
ein harmonisches Eheleben mit seiner Frau Margrit. Als sein Heimatort Couroux vom Kanton Bern zum Kanton Jura wechselte,
wählte er Biel als seinen neuen Bürgerort,
um Berner bleiben zu können. Adelig, ist seine Abstammung
mütterlicherseits, adelig war Jean auch in seiner Wesensart. Hilfsbereit
wie er war, hatte er manchem Jodlerklub als musikalischer Leiter gedient.
Von 1918 bis 1922 spielte er in der Blaukreuzmusikgesellschaft Biel das Waldhorn.
Als ihm der Dirigent seinen gewünschten Instrumentenwechsel zum Cornet nicht bewilligte, gab er den Austritt und sang danach
beim Gemischten Chor „Liederchranz“ Madretsch mit. Bald wurde man dort auf seine sichere Stimme
und seine musikalische Begabung aufmerksam, so dass er die anderen Sänger
bald übertraf. Neid und Missgunst der anderen Sänger bewogen ihn,
diesen Chor zu verlassen. 1918 trat Jean dem damaligen "Bürgerturner-Jodlerchörli" bei, dessen
Leitung er später als erst 22-jähriger übernahm. Von 1922 bis
1979 führte er ununterbrochen bei verschiedensten Jodlergruppen und
Männerchören im Seeland und Jura den Dirigentenstab, so unter anderem
während 30 Jahren beim Jodlerklub "Bienna"
Biel, 13 Jahre den Jodlerklub Bözingen, 6 Jahre
das „Jurarösli“ Moutier,
8 Jahre den Jodlerklub Port sowie das „Metzgerchörli“
und die Männerchöre Bellmund und Brügg.
Wenn irgendwo Not am Manne war, durfte man bei Jean noch in hohem Alter
anklopfen und Hilfe holen. Etwa 13 Chöre hat er in seiner fast
60-jährigen Dirigententätigkeit zum Teil über Jahre hinweg
geleitet. Viele Jodlerinnen und Jodler durften bei ihm für die
Festvorbereitung Rat und Hilfe holen, denn als Textdichter, Komponist und
Kampfrichter vermittelte er auf angenehme Weise sein Wissen und Können
gerne an andere weiter.
Das musikalische Rüstzeug in Harmonielehre, Klavier und Gesang verschaffte
sich Jean Clemençon an der städtischen
Musikschule und beim bekannten Gesangslehrer Robert Gräub
in Biel, die Harmonielehre auch bei Walter Jenni. Seine kompositorische
Tätigkeit reicht bis in die zwanziger Jahre zurück, doch blieb es
stets beim Manuskript für den klubinternen Gebrauch. „Mis Luterbrunnetal“ heisst
sein erstes Lied, welches im Jahre 1925 entstanden ist. 1952 wurde das
Jodlervolk um zwei wertvolle Kompositionen reicher, denn sein Lied "Bhüet üs Gott dr Chüejerstand" wurde im
AKV-Wettbewerb mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Dieses
Lied ist, zu seiner grossen Freude, als Gesamtchorlied fürs Eidg.Jodlerfest 1996 in Thun ausgewählt worden. Weitere
Grosserfolge waren "Dr Ustig
isch cho", "Mys Edelwyss", "Sennegruess", "Fröhlech
z'Muet". Das „Veteranenlied“ erhielt
ebenfalls den 2.Preis beim AKV-Wettbewerb. Seinem
unerschöpflichen Einfallsreichtum entsprangen über 60 Jodellieder und
mehr als 250 Kompositionen für Männerchor. Meist verwendete er dabei
eigene oder Texte von Karl Spring, für Männerchöre war Kurt Leutert der bevorzugte Textverfasser.
Als Kampfrichter stellte Jean seine Dienste während über 20 Jahren
dem BKJV, WSJV und EJV zur Verfügung. Neben vielen
Vereinsehrenmitgliedschaften wurde er auch vom BKJV im Jahre 1963 für sein
grosses Wirken mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.
Seiner zweiten schöpferischen Liebe, dem Malen, entsprangen zahlreiche
Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder, die ebenso wie seine Kompositionen
lebensnah und aussagekräftig sind. Mit 22 hat er schon zu Malen begonnen.
Berg- und Juralandschaften waren seine beliebten Vorlagen, Wald und Blumen
waren weitere Motive. Sie finden auch in Kunstkreisen Anerkennung.
Im Alter von 95 ½ Jahren ist Jean von seinen jahrelangen Leiden
erlöst worden. Körperlich kraftlos und schwerst
sehbehindert, im Geiste aber noch sehr rege, musste er seine letzten Jahre
verbringen, abhängig von liebevollem Pflegepersonal.
Quelle: Verschiedene Jubiläumsbücher,
verschiedene Ausgaben „Bärgfrüehlig“
Stand 11.12.2008 TA