Komponisten / Lieder / Verlage / Textdichter

Detailansicht

Vorname Johann Rudolf Johann Rudolf Krenger
Nachname Krenger
Geburtstag 25.05.1854
Todestag 17.09.1925
Personennummer K002

Werke von Johann Rudolf Krenger

Liedtitel Anfang 1. Strophe EJDKV Nummer

Männerchor (-M-)

Bärnerland, b'hüet Gott Es chunnt e frohe Hirtechnab dür d's Heimatland us z'gah K002-M-H20014

Männerchor (-M-)

Bi üs im Bärnerland Bi üs im Bärnerland isch Ruschtig allerhand K002-M-H10001

Männerchor (-M-)

Daheim Schön isch's wohl a mengem Ort in der grossen Welt K002-M-GH5689

Männerchor (-M-)

Das Berner Oberland Als mit allmächt'gem Werderuf der Herr der Welt die Erde schuf K002-M-GH4368

Männerchor (-M-)

Der Bureschtand Der Bureschtand ist nit z'verachte, g'schau num, das si bravi Lüt K002-M-H20013

Männerchor (-M-)

Emmental, grüss Gott Ein grünes Hügelland im Schoss der freien Schweiz K002-M-MS0195

Männerchor (-M-)

Emmentalerlied Niene geit's so schön u lustig wie deheim im Emmental K002-M-000001

Männerchor (-M-)

Es het e Buur es Töchterli Es het e Buur es Töchterli, mit Name heisst es Bäbeli K002-M-H30007

Männerchor (-M-)

Grindelwalderlied In Grindelwald den Gletschren by, da cha mu gäbig läben K002-M-00Z252

Männerchor (-M-)

Lengi Zyti Wenn d'Stärnen wein erleschen, der Heiterluft no geit K002-M-H2A005

Männerchor (-M-)

Luschtig sy Jez wei mer no chli luschtig sy, bi üsem Tröpfeli chüele Wy K002-M-H40005

Männerchor (-M-)

s'Brienzerbuurli Es isch nüt Luschtigers uf der Wält, als so-n-es Brienzerbuurli K002-M-H2A013

Frauenchor (-F-)

Bi üs im Bärnerland Bi üs im Bärnerland isch Ruschtig allerhand. Im Mai zieht's Vieh uf d'Weid K002-F-MS1308

Frauenchor (-F-)

Der singende Hirt Wer hat die schönsten Lieder? Die hat der Hirtensohn K002-F-MS1315

Frauenchor (-F-)

Emmental, Grüss Gott Ein grünes Hügelland im Schoss der freien Schweiz K002-F-MS1310

Frauenchor (-F-)

Lengi Ziti Wenn d'Stärnen wein erleschen, der Heiterluft no geit K002-F-MS1313

Frauenchor (-F-)

Uf de Bärge Uf de Bärge-n-isch guet läbe! D'Chüejer lutze nid vergäbe K002-F-MS1316

Frauenchor (-F-)

Wi baas isch mir da obe Wie baas isch mir da obe so nah dem Gletscher zue K002-F-MS1317

Gemischter Chor (-G-)

Bi üs im Bärnerland Bi üs im Bärnerland isch Ruschtig allerhand K002-G-HG0001

Gemischter Chor (-G-)

Daheim Schön isch's wohl a mengem Ort uf der grosse Welt K002-G-OP30-8

Gemischter Chor (-G-)

Haslilied O Hasli im Wyssland, obenüüs an d'r Aar, dü wirschd is geng lieber K002-G-000299

Gemischter Chor (-G-)

Lengi Ziti Wenn d'Stärnen mein erleschen, der Heiterluft no geid K002-G-HG0004

Gemischter Chor (-G-)

S'Chüijer-Meitschi D'r Maie bluit landab, landuf, er zieht si scho de Berge zue K002-G-GHZ159

Gemischter Chor (-G-)

Schy-Lied Eh! geit das schön, uf Schye z'fahre, dür d'Huble K002-G-HG0009

Terzett (-T-)

Ach wie churzen üsi Tage Ach, wie churzen üsi Tage, ach wie flieht die schöni Zyt K002-T-000001

Terzett (-T-)

Bi üs im Bärnerland Bi üs im Bärnerland isch Ruschtig allerhand K002-T-HS0005

Terzett (-T-)

Lengi Ziti Wenn d'Stärnen wein erleschen, der Heiterluft no geit K002-T-HS0013

Terzett (-T-)

Uf de Bärge Uf de Bärge-n-isch guet läbe! D'Chüejer jutze nid vergäbe K002-T-HS0002

Terzett (-T-)

Wi baas isch mir da obe Wie baas isch mir da obe so nah dem Gletscher zue K002-T-HS0003

Choeur d'hommes (-N-)

Animé d'un secret désir* Animé d'un secret désir berger revient joyeux K002-N-CS005a

Choeur d'hommes (-N-)

En pays romand Mon beau pays romand sourit au jour naissant K002-N-MS0561

Choeur d'hommes (-N-)

Le paysan* Du paysan que l'on acclame, le coeur tout simple mais vaillant K002-N-CS0049

Choeur d'hommes (-N-)

Visite au pays natal* Lassé d'errer sous d'autres cieus sur la terre d'exil K002-N-CS005b

Persönliche Angaben

Seine Jugendzeit

In Seeberg, einem Bauerndorf im bernischen Oberaargau, wurde der spätere Sängervater Johann Rudolf Krenger als jüngster Sohne einer elfköpfigen Familie geboren. Sein Vater war dort Schulmeister, Organist und ehrsamer Künstler. Nebenbei bauerte er auch noch fleissig, um seine grosse Familie besser durch’s Leben bringen zu können. So wuchs der kleine Ruedi, dem wohl in Verehrung des damaligen Sängervaters Joh.Rud.Weber dieser Name gegeben wurde, in einfachen Verhältnissen auf. Er musste dem Vater in Land- und Stallarbeiten tüchtig an die Hand gehen, dafür liess ihn dieser aber in den freien Stunden nach Herzenslust auf der Hausorgel spielen. Und wenn es Mutter und Geschwistern zu viel werden sollte, meinte der Vater nur immer, man solle den Buben machen lassen. Der Kleine schlug in seiner Sangesfreudigkeit dem Vater nach, und schon als zwölfjähriger Knirps konnte er ihn vertreten und zu Predigt und Kinderlehre die Orgel spielen. Und als der Vater ihn an ein Sängerfest nach Herzogenbuchsee mitnahm und tagsdarauf von seinem Sohn ein aufgeschriebenes Lied überreicht erhielt, kannte seine Freude keine Grenzen. Er reiste mit diesem Notenblatt zum Seminarlehrer und Sängervater Weber nach Bern und erwartete stolz dessen Urteil. Dieser erkannte in den überreichten Noten sofort ein Lied, und wenn dies auch für den stolzen Vater etwelche Enttäuschung bedeutete, so wurde doch sehr lobend festgestellt, dass es immerhin etwas heisse, wenn ein zwölfjähriger Knirps ein Lied, welches er wohl an dem bewussten Sängertag gehört hatte, richtig niederschreiben konnte.

Der junge Mann

Nach beendeter Schulzeit trat der Jüngling in das Seminar in Münchenbuchsee ein und wurde Schüler von Joh.Rud.Weber. Durch diesen wurde sein musikalisches Talent mächtig gefördert, und oft und gerne sprach er später von dieser Zeit als von derjenigen, die ihm seine ganze musikalische Bildung vermittelt habe. An freien Abenden sammelte Weber seine Zöglinge um sich und besprach mit ihnen musikalische Fragen. Seine Energie und die Überzeugung, in der Förderung des Chorliedes ein Kulturgut zu schaffen, mussten einen begeisterungsfähigen Jüngling entflammen. So kam Krenger musikbegeistert und voller Ideale nach bestandenem Patentexamen im Jahre 1873 als junger Lehrer nach Biglen. Mit jugendlichem Feuer und Eifer leitete er gleich einen Männer- und Gemischten Chor und kehrte lorbeergekrönt von manchem Gesangsfest mit diesen heim. Hier lernte er auch in einer Kollegin seine spätere treue Lebensgefährtin kennen. Dadurch und auch durch den Umstand, dass in dieser Zeit bereits die Gedanken zu seinem ersten Liede, dem „Röslein im Walde“, sich zu regen begannen, wurde sein Aufenthalt in Biglen, so kurz er auch war, bedeutungsvoll. Seine Kompositionsgedanken nahmen Gestalt an. Das „Röslein im Walde“ wurde geschrieben, seiner zukünftigen Frau zugedacht, und von seinem Verein an einem Sängertag mit Auszeichnung vorgetragen. Aber als es auf Anraten seiner Freunde gedruckt wurde, wollte es niemand kaufen und schon schien es in Vergessenheit zu geraten. Da kam dem entmutigten jungen Komponisten unverhofft eine Glückswendung, die ihm die Wege öffnete. Musikdirektor Gustav Weber, der Sohn von Krengers verehrtem Lehrer, begehrte das Lied für seine Sammlung für Männerchöre der zürcherischen Liederbuchanstalt. Damit wurde das „Röslein im Walde“ bald landauf, landab bekannt und war rasch eines der meist gesungenen Lieder.

 Der Sekundarlehrer

Unterdessen traten andere Fragen an Krenger heran. Er wollte nicht zeitlebens Volksschulmeister bleiben, und da sein Vater schon während seines letzten Seminarjahres gestorben war und er finanziell ganz auf sich selber angewiesen war, hiess es wohl überlegen, was weiter geschehen sollte. Er musste sich entscheiden, entweder Musik oder Sekundarlehrer zu studieren. Lange und schwer kämpfte er mit sich und wählte schliesslich das sichere Ziel, den Sekundarlehrer. Oft sprach er später von dieser schweren Zeit der Entscheidung, und wenn man es bedauerte, dass er auf das Musikstudium verzichtet hatte, sagte er nur immer: „Ja, denn hätte ich meine Lieder wohl nicht geschrieben“. Er hätte wohl andere Möglichkeiten gehabt. Dank seiner starken Persönlichkeit, Musikalität und Energie wäre er sicher ein ausgezeichneter Orchester- und Chordirigent geworden. Aber bei den damaligen Aussichten und Möglichkeiten in Musikerkreisen und bei seiner verantwortungsvollen Veranlagung wäre es ein kampfvoller Weg geworden. So wurde er Sekundarlehrer und wirkte erfolgreich an den Schulen von Kirchberg, Lützelflüh und Steffisburg und dann von 1886 an bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1921 in Interlaken. Seine Unterrichtsfächer waren Deutsch, Schreiben, Buchhaltung, Turnen und Gesang als Hauptfach.

 Die Entfaltung seiner Kompositionstätigkeit

Schon im Jahre 1888 gründete er den Männerchor Interlaken, den er aus den kleinsten Anfängen heraus in steter, sicherer Steigung vorwärts führte. Erstmals im Jahre 1889 in Frutigen und danach an allen Bezirks-, kantonalen und eidgenössischen Gesangsfesten, die in die Zeit seines Wirkens fallen, errang der Männerchor Interlaken unter seinem Dirigentenstab Lorbeer um Lorbeer, oftmals in den ersten Rängen.

Und jetzt entfaltete sich auch seine Kompositionstätigkeit. Es reihte sich Lied an Lied, und als er den Gletscherpfarrer Gottfried Strasser kennen lernte und er ihm sein Grindelwalderlied nach seinem Sinn und zu seiner Freude vertont hatte, war ein Band der Freundschaft geschlossen, welches Dichter und Komponisten über Tod und Grab auf unbegrenzte Zeiten hinaus verbunden hält. Es brauchte auch keine Reklame, dieses Grindelwalderlied. So wie es dem echten Volkslied eigen ist, wurde es in kürzester Zeit Allgemeingut der singenden Schweiz. Nicht nur im Konzertsaal ertönte und ertönt es heute noch, es ist überall daheim, wo gesungen wird. Dieser ersten, wohlgelungenen Schöpfung folgte eine ganze Reihe weiterer poetischer Gaben aus der Hand Gottfried Strassers, und wenn das Grindelwalderlied nicht überboten werden konnte, so wurden es doch eine ganze Anzahl bester Volksgesänge. Krenger’s Schöpfergabe schenkte fast jedem Bernerstand sein eigenes Lied („Emmenthal, grüss Gott!“, „Haslilied“, „Mittelländerlied“, „Seebutzenlied“, „Guggershörnli“, „Dem Berner Oberland“). Hier einzureihen sind ferner das „Leuenbergerlied“, das „Schybilied“, „Trueberbueb“, „Kühermeitschi“, „Schwyzerhüsli“, „Des Sennen Liebenslied“. Aus der grossen Zahl seiner Liederkompositionen seien ferner erwähnt: „Die Hochwacht“, „Turmwarts Minne“, „Zwei Kreuze“, „Dem Schweizerland“, „Wächterruf“, „Lied und Ton“, „Die Drossel im Walde“, „Lauterbrunnenlied“ und das den Berner Singstudenten gewidmete Burschenlied „Mein Sinn ist leicht wie Morgenwind“.

Viel und erfolgreich aufgeführt werden seine Singspiele „Menk und Vreni“ und „Der Bergdorfet auf Mäggisalp“, aus welch letzterem „Daheim“ und das „Küherlied“ besonders bekannt und beliebt geworden sind.

In der Zeit der Renaissance des Schweizerjodelliedes griff Krenger als Vertreter der urchigen Bernerart tätig ein. Es war ein Feind des „Tirolerns“ in bayrischem Sinn, jede Künstelei und exzentrische Interpretation durch sogenannte Salontiroler war ihm verhasst. Wie er vom Jodler nebst der Kultur in den Faktoren Rhythmik, Dynamik und Auffassung intensive Schulung in der Tongebung verlangte, so verlangte er vom Jodellied Pflege nach den Grundsätzen einer künstlerischen Gesangskultur. Von der Beobachtung dieser von ihm aufgestellten Wegleitung wird auch die Verbreitung und ganz besonders die Respektierung des Jodelgesanges immer abhängen.

 Zusammenarbeit mit O.F.Schmalz

Mit Oskar Friedrich Schmalz in Konolfingen zusammen gab er im Jahre 1913 als erstes Bändchen Jodellieder heraus. Schmalz war ein ausgezeichneter Jodler und fing an, alte Volks- und Jodelweisen zu sammeln, die Krenger dann in wohlklingender Harmonie niederschrieb. Diese Jodellieder fanden so rasch Eingang in den sich überall bildenden Klubs und waren so begehrt, dass dem ersten Bändchen nach und nach vier weitere folgten und ein Bändchen für Gemischten Chor. Krenger gab auch eigene Kompositionen in diese Ausgaben. „Bi üs im Bärnerland“, „Längi Zyti“, „Der Bureschtand“ gehören heute noch zum Besten in der schweizerischen Jodelliteratur.

 Das Alphorn

Mit dem Aufblühen des Jodelliedes wurde auch das Interesse für das Alphorn wach, und auch dem nahm sich Krenger an. Er schrieb eine Broschüre für Alphornbläser, gab dieser methodische Übungen und melodische Sätze bei. Er hielt auch Kurse ab und trat wacker für die Wiederbelebung des Alphornsblasens ein, und zwar wies er es an den Ort seines Ursprunges zurück, in die Berge und Weiden. Von dort her sollten die Sennen es wieder in altgewohnter Weise ertönen lassen.

 Die werbende Kraft für das Sängerwesen

Auch für die Jugend wusste Krenger den richtigen Ton zu treffen. Seine Schullieder, die er in der Sammlung „Heimatsang“ herausgab und der Zyklus „Die Alpenreise“ dürften unter bestem Schulgesang erwähnt werden.

Aber auch als werbende Kraft für das Sängerwesen hat sich Krenger verdient gemacht. An Versammlungen und Konferenzen, an Festen und Sängergemeinden, überall ist er aufgetreten und hat mit der Macht des Wortes auf die hohen Ziele der Sängerwelt hingewiesen. Als Kreisdirektor leitete er 12 Sängertage, als Bezirksdirektor die Gesangsfeste in Saanen, Interlaken und Frutigen. Nach ausländischem Urteil ist es zum guten Teil sein Verdienst, wenn das Gesangswesen des engeren und weiteren Oberlandes auf so schöner Höhe steht. Er war nicht bloss Dirigent, sondern den Vereinen und Leitern ein stets hilfsbereiter Berater und Freund, und er scheute weder Weg noch Mühe, um auch dem entlegendsten und kleinsten Verein mit nützlichem Rate beizustehen. Er lebte dem Gesang zuliebe und sah in der Unterstützung gesanglicher Bestrebungen nicht eine Einnahmequelle, sondern eine Pflicht dem sangesbedürftigen Volke gegenüber. So hatte er auch eine ganze Schar junge Lehrer um sich, aus seinem ganzen Wirkungsgebiet waren sie ihm alle in tiefer Verehrung und Treue ergeben, und sie wussten, dass sie in jeglichem Anliegen bei ihm wohlberaten wurden. Und wenn er mit seinem Männerchor Interlaken an ein Fest zog, oder wenn er sie sonst an einem Konzert nötig hatte, brauchte er nur zu rufen, und freudig kamen sie und sangen als Leitstimmen mit.

Im Jahre 1892 wurde Krenger in den Vorstand des Bernischen Kantonal- Gesangsvereins gewählt, wo er zwölf Jahre das Amt eines gewissenhaften Sekretärs versah. Nach dem Tode von Dr.Karl Munzinger folgte die Krönung seiner bisherigen Tätigkeit durch die Wahl zum kantonalen Musikdirektor. Als solcher stand er, im ganzen Lande geachtet, der Leitung der Kantonalgesangfeste in Burgdorf 1911 und 1921 in Bern vor.

Seine natürliche Musikalität, seine klare Urteilsfähigkeit und sein gesundes Empfinden für die Schönheiten und Ausgeglichenheiten eines Chorgesanges qualifizierten ihn auch zum Kampfrichter. In einem Zeitraum von 46 Jahren hat er denn auch als solcher an 38 Gesangsfesten in- und ausserhalb des Kantons mitgewirkt, und auch seine Berichterstattungen waren geschätzt. Nicht weniger als 18 Vereine, darunter grössere Verbände, haben Krenger ihre Achtung und Dankbarkeit in der Ernennung zum Ehrenmitglied bewiesen.

Eine weitere, für das bernische Sängerleben bedeutende und befruchtende Tätigkeit besteht in der Herausgabe der Volksliederbücher, deren Leitung ihm von jeher oblag. Es war dies für unsere kleinen Vereine eine besonders verdienstvolle Arbeit, die in diesen Liederbüchern guten und billigen Gesangsstoff erhielten.

 Der Organist

Auch seine Tätigkeit als Organist verdient Erwähnung. Er hat dieses Amt kurz nach seiner Niederlassung in Interlaken angetreten und es bis kurz vor seinem Tode ausgeübt. Immer war er bereit, und ungezählte Male hat er der Totenfeier ihm näher oder ferner Stehender mit ergreifendem Orgelspiel die rechte Weihe gegeben. Er hat auch lange Zeit alljährlich Orgelkurse veranstaltet und geleitet, in Verbindung mit seinem Freunde Karl Hess, Münsterorganist in Bern, aus dem Bestreben heraus, auch kleineren Kirchgemeinden bessere Organisten zu geben.

 Der Sängervater

Zusammenfassend darf gesagt werden, dass Krenger seine Benennung „Sängervater“ wohl annehmen durfte. Seitdem Joh.Rud.Weber diesen Ehrentitel innehatte, wurde er keinem bernischen Musikdirektor mehr zuteil. Man weiss auch nicht, woher diese Benennung kam. Sie ist ihm nicht von irgendeiner Obrigkeit verliehen worden. Irgendwo und irgendwann einmal mag sie aus einer begeisterten Sängerschar erstmals herausgeklungen haben, und freudig und selbstverständlich ist sie vom bernischen Sängervolk angenommen und weitergegeben worden.

 Der Mensch

Sängervater Krenger war auch als Mensch eine Persönlichkeit. Seine mittlere Struktur, seine energische Nase und sein scharfer, klarer Blick zeigten ein energisches, bestimmtes Wesen. Er war zäh, leidenschaftlich, kraftvoll in der Stimme, aber vor allem voll inneren Feuers und heiliger Überzeugung, im Volkslied und dessen Pflege und Förderung ein edles Kulturgut zu wissen. Er war ein Bekenner des kategorischen Imperativs: „Es muss!“ Ohne seine erstaunliche Willenskraft wäre er niemals Anfechtungen und Widerständen zum Trotz auf die Höhe seiner Leistungen gekommen. Er war ein fröhlicher Gesellschafter, und seine gesellige Natur konnte im Kreise seiner Freunde reich auftauen. Bei seinen Kollegen war er seines geraden Charakters und seines offenen Wortes wegen geschätzt und geachtet. In seinem Urteil liess er sich nie von Zufälligkeiten und Zeitströmungen beeinflussen.

 Seine Gattin

In seiner Gattin, Rosalie Leuenberger, der einstigen Kollegin in Biglen, hat er die Lebensgefährtin gefunden, die seine Wesensart so hinnehmen und verstehen konnte, dass sie ihm Helferin und treue Weggenossin wurde. In aufopfernder Selbstlosigkeit liess sie seinem Schaffensdrange freie Bahn und förderte in tiefem Verständnis sein musikalisches Wirken. Selber noch intelligent und gebildet, ist sie zeitlebens gleichsam in seinem Schatten gestanden, aber seine Erfolge waren die Sonnentage ihres Lebens. Sie hat ihm die Korrekturen seiner Kompositionen besorgt, und Stunden glücklichen Zusammenarbeitens sind es gewesen, wenn sie ihm die neugeschriebenen Lieder vorspielte und er auf ihr Urteil wartete. Er war ein fürsorgender und besorgter Familienvater. Oftmals verschlossen und streng und ohne sich viel merken zu lassen, hielt er doch ein teilnehmendes und wachsames Auge über die Entwicklung seiner Kinder. Und vielleicht gerade, weil er nicht viel Worte machte, sind die Stunden, in denen er so recht aus sich herausging und Einblick gab in sein innerstes Empfinden, das so reich ausgefüllt war mit tiefen Gedanken und eine hochstehende Weltanschauung in sich schloss, unvergesslich und von dauernder Bedeutsamkeit geblieben.

 Neben seiner Schul- und Musikantentätigkeit gab er sich auch noch gemeinnützigen Bestrebungen hin. Jahrelang war er Mitglied der Gotthelfstiftung des Amtes Interlaken, der bernischen Schulsynode und Präsident des Oberländischen Fischereivereins.

 Ein erfülltes Leben findet seinen Abschluss

So hat am 17. September 1925 in Interlaken mit dem Tode von Joh.Rud.Krenger ein reichgesegnetes Leben seinen Abschluss gefunden. In seiner angeborenen Bescheidenheit hat er selber kaum annähernd geahnt, mit welcher Teilnahme von nah und fern, mit welcher Liebe und welchen Ehren man ihn zu Grabe tragen würde. Die Totenfeier wurde zu einer unvergesslichen Würdigung seiner Lebensarbeit, und nur wenige Jahre später, im Frühling 1932, wurde Krenger nochmals in grosser Ehrung gedacht, als an seiner einstigen Wohnstätte im Schlosshofe in Interlaken eine Gedenktafel errichtet und eingeweiht wurde mit der Inschrift:

„Dem verdienten Förderer des Schweiz.Volksgesangs und Komponisten vieler Volkslieder in Dankbarkeit gewidmet“. Die Bernische Sängergemeinde.

 Rudolf Krengers Bedeutung für die schweizerische Jodelbewegung

Die Geschichte der schweizerischen Volksmusik weiss von einer bewegten Vergangenheit zu berichten. Einige Hoch und Tief mussten durchschritten werden. Es gab eine Zeit, während der die Pflege einheimischen Liedgutes, einheimischer Instrumentalmusik im Argen lag. Importlieder waren Trumpf, und wer „in“ sein wollte, sang „von der Saale kühlem Strande“ und vom „Duandl“, und wie viele Schuhplattler und bayrische Landler feierten bei allen möglichen Anlässen fröhliche Urständ.

Eine erste Besinnung auf einheimisches Kulturgut brachte das Alphirtenfest in Unspunnen im Jahre 1805, also wenige Jahre nach den Franzosenwirren, einer Zeit der tiefsten Erniedrigung der Schweiz, und weckte ungeheure Kräfte nationaler Begeisterung. Der in jene Zeit hineingeborene Ferdinand Fürchtegott Huber, von dem Gassmann schreibt, er sei wohl jener Tondichter, der das Wesen des schweizerischen Volksliedes, die Stimmung der Alpennatur, die national-schweizerische Eigenart am Besten und Tiefsten erfasst habe und in seinen Kompositionen wahrhaft künstlerisch zum Ausdruck bringe, vermochte mit seinen Gesängen (u.a. „Luegid vo Bärg und Tal“) das Schweizer Volkslied namhaft zu beeinflussen.

Diese „Frührenaissance“ des Schweizer Volksliedes genügte aber noch nicht, um die fremdländischen Einflüsse vollends auszuschalten, und es bedurfte eines zweiten noch mächtigeren Anstosses hiezu. Heute können wir rückblickend sagen, dass die „Hochrenaissance“ unserer einheimischen Volksmusik mit der Gründung des EJV im Jahre 1910 begann. Schlicht und einfach stellt Gassmann fest: In den 70-er, 80-er und 90-er Jahren des 19.Jahrhunderts trat dann wieder eine öde Stille im schweizerischen Jodelgesang ein, bis ihn der schweizerische Jodelvater der Neuzeit, J.R.Krenger in Interlaken, zu Anfang des 20.Jahrhunderts langsam aber sicher zur zweiten Jodelrenaissance führte.

Es war von geradezu providentieller Bedeutung, dass einer der Gründer des EJV, nämlich Oskar Friedrich Schmalz, in Musikdirektor Johann Rudolf Krenger einen Freund und Mitarbeiter fand, mit dem er nun zusammenarbeitete, und wir wissen heute, dass es zum grössten Teil das Verdienst dieser beiden ideal gesinnten Männer und Freunde ist, wenn die schweizerische Jodelbewegung diesen ungeahnten Aufschwung erlebt hat, von dem wir heute Zeuge sein dürfen.

In erster Linie galt es damals, das vorhandene Liedgut zu sammeln und aufzuschreiben. Mit Feuereifer gingen die beiden Freunde an diese Arbeit. Gewöhnlich gilt vor allem O.F.Schmalz als der grosse Sammler Bernischen Jodelliedgutes. Wir sind aber darüber orientiert, dass auch Krenger sich sehr damit befasste, und wir können uns gut vorstellen, dass die Beiden oft zusammen sassen und das Gefundene und Aufgeschriebene sichteten und auf Herz und Nieren prüften, ob es den gestrengen Massstäben gerecht werde, die man an eine wirklich schweizerische Volksmusik legen müsse. Es ist doch eines der schwierigsten Probleme, bei solchen Sammlungen Echtes von Unechtem zu unterscheiden. Wer z.B. die Gassmann’schen Sammlungen ein wenig durchgeblättert hat, wird um diese Probleme wissen. Und wir dürfen sagen, die Bernerland-Sammlung, die die beiden Freunde Schmalz und Krenger als Frucht ihrer Arbeit heraus brachten, sind zum grössten Teil echte Schweizerkost. Wenn sich vielleicht doch gelegentlich eine Komposition vorfindet, die leicht ins Tirol hinüberklingt, so ist dies bei der damals noch herrschenden Vormachtstellung des Tirolerliedes nur allzu verständlich. Entweder sind es dann sprachliche Stilblüten, ein Mischmasch zwischen Hochdeutsch, tirolisierenden Endungen und Schweizer Dialekt („Und jetzt, ihr Bauern, klein und gross, jetzt fassets frohen Muet“, oder „Wenn zu mei’m Schätzel kommst, sag, i lass grüssen“) oder aber der melodische Aufbau weist deutlich über die Grenzen hinaus. So ist z.B. der Jodel des „Küherleben“ stark dem Schnadahüpfl-Stil verpflichtet.

Aber trotzdem war gerade die Herausgabe dieser Bernerlandsammlung eine Tat von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Denn – abgesehen vom Naturjodel, der sich in seinen Reduitgebieten (Appenzell – Toggenburg, Innerschweiz – Muotatal, Bern) durch Jahrhunderte hindurch rein und unverfälscht erhalten hatte und immer gesungen wurde – war die Schmalz-Krenger’sche Sammlung die erste brauchbare Kost, die die nun mächtig aufstrebende Jodellieder-Bewegung in die Hand bekam, und dies vor allem in einem mustergültigen Tonsatz. Und gerade hier, so scheint uns, liegt die Bedeutung Krengers, die ihm einen ersten Platz in der Geschichte der schweizerischen Jodelbewegung sicherte: Krenger hat es verstanden, dank seiner soliden musikalischen Ausbildung dem gesammelten Liedgut eine feste Form zu geben, sein sauberer und leicht singbarer Satz bildete die Grundlage, auf der vor allem dann Fellmann weiterbauen und zu einem unbestreitbaren Höhepunkt der gesamten Jodelliederliteratur führen konnte.

Krenger wollte aber auch den Naturjodel den Chören erschliessen. Mit feinem Gespür für die echte, spontane Begleittechnik eines Naturchores entwarf er sein Begleitmodell, das ebenso richtungsweisend wurde für die späteren Kompositionen: Ausgehend von der Tatsache, dass Naturmelodien allermeist auf dem Grundton enden, ergibt sich für die Ersttenorstimme, die stegreifartig in Terzen oder Sexten die Jodelmelodie sekundiert, als Schlusston die Untersext (vom Grundton an aufwärts gesehen die Terz). Hinzu kommt der Bass, der mit der ersten und fünften Stufe, seltener mit der 4.Stufe, untermalt (als „Gradhebe“ der Appenzeller). Im reinen vierstimmigen Satz kommt so quasi als Füllstimme der 1.Bass hinzu, und die korrekte Begleitung ist da, wie sie sich vereinfacht in folgender Kadenz zeigt:

 Die Krengersche Jodelbegleitung ist, dank ihrer Einfachheit und Schlichtheit, heute noch nicht überholt.

Alles in allem: Wir glauben kaum, dass die Bernerland-Sammlung diese Verbreitung gefunden hätte, wenn nicht bei der Herausgabe Krengers Talent zu Gevatter gestanden hätte.

Krengers musikalische Würdigung wäre aber nicht vollständig, wollte man sein kompositorisches Wirken ausser acht lassen. Von seinen zirka 60 Liedkompositionen seien vor allem genannt, das unverwüstliche Grindelwalderlied und das herzinnige „Daheim“, beides gemischte Chöre, die vom Heimweh-Berner erzählen. Und dann als Männerchöre „Der Bureschtand“ und schliesslich als eine der kostbarsten Perlen das „Bärnerland, bhüet Gott“.

So steht Krengers Wirken am Anfang der neu erweckten Jodelbewegung, er ist in dieser Bewegung eine der stärksten Triebfedern, und mit vollem Recht hat man ihn mit dem Ehrentitel bedacht:

„Schweizerischer Sängervater“

 Quelle: Bärgfrüehlig“ 4/3 1973, Autor Heinrich J.Leuthold, ergänzt aus dem Buch „75 Jahre EJV 1985“, Stand 6.8.

zurück
 
Note
EDJKV